Koranausgaben


Paret: die wissenschaftliche Übersetzung
Paret, Rudi. Der Koran. Stgt: Kohlhammer, 1980.


Die islamwissenschaftlich verbindliche Standardübersetzung des Tübinger Orientalisten Paret. In zahlreichen Klammern sind Bedeutungs- und Übersetzungsvarianten, sowie sinngemäße Zusätze hinzugefügt, dadurch wird leider der Lesefluß erheblich behindert; diese Übersetzung ist also nicht in erster Linie Lese--, sondern Arbeitsbuch. Im wissenschaftlichen Bereich darf (fast) nur Paret zitiert werden.


Es gibt jetzt eine Paret-Ausgabe auf CD-ROM mit Suchfunktionen. Dadurch sind die Nachteile der Printausgabe aufgehoben, und die Vorteile der zuverlässigen Suche überwiegen bei weitem. Außerdem beinhaltet die Übersetzung gleichzeitig auch den 2. Band, Kommentar und Konkordanz, so daß mit dem Text und den Übersetzungshilfen gleichzeitig gearbeitet werden kann.


Paret, Rudi. Der Koran. Kommentar und Konkordanz. Stgt: Kohlhammer, (1971) 3-17-005657-3

Dies ist keine Konkordanz im eigentlichen Sinn, sondern bietet neben allgemein verständlichen auch zahlreiche philologische Erläuterungen, die allerdings ohne Arabischkenntnisse nur sehr begrenzt von Nutzen sind. Auch für den Laien eine wahre Fundgrube sind jedoch die Parallelstellen, die abgestuft nach Relevanz die innerkoranischen Deutungsmöglichkeiten erschließen – alles in allem in äußerst komprimierter Form die Früchte eines langen Gelehrtenlebens.



Khoury: die "ökumenische Gebrauchsübersetzung"

Khoury, Adel Theodor. Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan. Gütersloher Verlagshaus G.Mohn: Gütersloh, 1987.

3-579-00783-1 (Taschenbuch)

3-579-02154-0 (gebundene Ausgabe)


Übersetzung des aus dem Libanon stammenden katholischen Religionswissenschaftlers (Münster) Khoury, der u.a. den Vatikan in Dialogfragen berät. Er hat jetzt einen groß angelegten Korankommentar abgeschlossen, in dem er sämtliche autoritativen islamischen Kommentatoren zitiert. Durch die "Mitwirkung" von M.S. Abdullah, dem Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland und einem der führenden Vertreter des Islamrats der Bundesrepublik Deutschland, z.Zt. jener Koranübersetzung wichtigster Ansprechpartner im christlich-islamischen Dialog, erhoffte er sich die Akzeptanz durch die deutschen Muslime; diese fertigten jedoch ihre eigenen Übersetzungen an; gerade in den letzten Jahren erscheint jedes Jahr eine neue islamische Koranübersetzung.


Sehr gut lesbar; manche Formulierungen sind gegenüber dem arabischen Text jedoch abgeschwächt und wirken daher "weich" – wohl das Zugeständnis an die "Mitwirkung" M.S. Abdullahs, die sich im übrigen auf das Schreiben einer Empfehlung beschränkte.


Im Anhang ausgewählte Hadithe (Stücke aus der islamischen Tradition, meist Aussprüche Muhammads) – hier leider z.T. ohne Tradentenkette – zu einzelnen Themen.

Sehr hilfreich ferner ein ausführliches Namen- und Sachregister zum Koran, das Khoury in Bescheidenheit nicht "Konkordanz" genannt hat, diesen Namen aber sehr wohl verdient.


Khoury, Adel Theodor. Der Koran Arabisch-Deutsch. Übersetzt und kommentiert.

Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, 2004.

Die 3., durchgesehene Auflage der Khoury-Übersetzung gibt es nun endlich in einer schönen zweisprachigen Ausgabe mit umfangreichem Fußnotenapparat als Kurzkommentar. Von allen zweisprachigen Koranausgaben ist dies die optisch ausgewogenste – es ist ja drucktechnisch nicht einfach, deutsch und arabisch mit den so unterschiedlichen Anforderungen nebeneinander zu stellen. Gerade Lesern mit Arabischkenntnissen kommt die sehr klare und doch elegante arabische Schriftart entgegen.


Die ersten 50 Seiten nehmen die Prolegomena zum Leben Muhammads und zum Koran ein, die den heutigen Forschungsstand wiedergeben; man spürt die äußerst knappe und doch in die Tiefe gehende Essenz eines ganzen Lebens mit Bibel und Koran. Auch zu jeder Sure gibt es eine knappe chronologische und inhaltliche Einordnung, was sehr hilfreich ist. In den Fußnoten hat Khoury das Wesentliche aus seinem 12-bändigen Korankommentar untergebracht: die wichtigsten Angaben der islamischen Kommentatoren, gerade auch in ihren unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Auslegungen. Hier hätten es vielleicht mehr Parallelstellen sein können (die finden sich im Paret-Kommentar); man wünschte sich neben der Wiedergabe islamischer Kommentatoren noch die eine oder andere kritische Anmerkung der Islamwissenschaft. Aber der bereits erreichte Umfang von über 800 Seiten legt doch gewisse Beschränkungen auf. Das Namen- und Sachregister, das eine noch nicht existierende Korankonkordanz ersetzt, ist ebenfalls korrigiert.


Wer mehr will als nur mal kurz in den Koran hineinzuschauen, dem sei diese Übersetzung als rundum brauchbar zur Einführung in den Koran und zum Arbeiten mit dem Korantext wärmstens empfohlen. Sie leitstet einen gewichtigen und unverzichtbaren Beitrag zu "Erleichterung und Intensivierung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen", da sie erkennbar von realistischen Prämissen ausgeht: "dem Bemühen um besseres gegenseitiges Verstehen und dem Mut, unüberbrückbare Unterschiede auszuhalten."



Henning: die sprachlich schönste Übersetzung

Der Koran. Übers. Max Henning. Stuttgart: Reclam 1998.

3-15-004206-2 (Paperback)


Die unter dem Pseudonym "Max Henning" vor ca. 100 Jahren vermutlich von dem Arabisten August Fischer erstellte Übersetzung ist von der Sprachkraft her bislang unerreicht. Allerdings sind etliche der altertümelnden Worte und Formulierungen nicht jedermanns Geschmack. Verbesserungen gegenüber dem Original sind die Überarbeitung der Anmerkungen durch Annemarie Schimmel, sowie die Verwendung der jetzt verbindlichen Kairiner Verszählung neben der alten Flügel'schen Zählung, was das lästige Angleichen erspart. Dadurch wurde diese preiswerteste Koranausgabe verwendbar, und man muß nicht zur Henning-Bearbeitung durch Murad Hoffmann (bei Diederichs) zurückgreifen, der Henning sprachlich und inhaltlich überarbeitet hat, da dieser "anti-islamische Tendenzen" in den Fußnoten zeige. Einziger Nachteil: für den häufigeren Gebrauch ist eine Paperback-Ausgabe nicht ratsam.



Rückert / Bobzin: Das Schatzkästlein poetischer Sprache

kostbar in jeder Hinsicht: sprachlich und finanziell!

Nicht der gesamte Korantext, sondern nur ausgewählte Suren. Darum nicht als Koranausgabe verwendbar, sondern um einen sprachlichen Eindruck zu bekommen.



Goldschmidt: eine "authentisch semitische" Übersetzung

El Koran, das heißt Die Lesung. Die Offenbarungen des Mohammed Ibn Abdallah, des Propheten Gottes. Zur Schrift gebracht durch Abdelkaaba Abdallah Abu-Bekr, übertragen durch Lazarus Goldschmidt, im Jahre der Flucht 1334 oder 1916 der Fleischwerdung. Originalausg. Berlin, 1920. Nachdruck: Komet, o.J.


Diese Übersetzung des jüdischen Religionswissenschaftlers zeichnet sich aus durch einen sprachlich äußerst authentischen Zugang; in seiner Übersetzung hört man die eigenwilligen koranischen Sprachkonstruktionen des Arabischen durch. Er berücksichtigt auch die enge Abhängigkeit des Korans von der jüdischen Gedankenwelt (die christliche läßt er – leider – außer acht), besonders in den Anmerkungen, was vielen bisher schwer verständlichen Inhalten eine plausible Anbindung an Bekanntes gibt. Diese Nähe zur orientalischen Sprach- und Gedankenwelt ist für den des Arabischen Unkundigen eine wertvolle Hilfe. In der Neuauflage wurde es leider versäumt, die alte Flügel'sche Verszählung zumindest um die heute gebräuchliche Kairiner Zählung zu ergänzen. Das, sowie zahlreiche Schreibfehler, erschwert das Arbeiten mit dieser Ausgabe, darum ist sie lediglich als Ergänzung zu einer anderen Übersetzung hilfreich.


Die CD-ROM Ausgabe dieser Übersetzung ist völlig unbrauchbar.



Elyas / Bubenheim: textnahe Übersetzung, genehmigt vom saudischen Dawa-Ministerium

Nadeem Ata Elyas und Scheich Abdullah as-Samit Frank Bubenheim. Der edle Qur'n und die Übersetzung seiner Bedeutungen in die deutsche Sprache. Medina, 1422/1423 A.H. (2002)


Eine wunderschöne zweisprachige Ausgabe mit festem schwarzem Einband mit reicher Ornamentverzierung in gold; sehr schöne arabische Schrift, jedoch: unverkäuflich, denn sie ist laut Aufdruck "Geschenk des Dieners der beiden Heiligen Stätten, König Fahd ibn Abd al-Azz l Sud"; initiiert und kontrolliert durch den Minister für islamische Angelegenheiten, Stiftungen, Dawa und Rechtweisung und Generalinspcteur des König-Fahd-Komplexes, und darum bis jetzt nur beim ZMD (Zentralrat der Muslime in Deutschland), dessen Vorsitzender Nadeem Elyas ist, zu beziehen.

Im Vorwort werden die Methodik der Übersetzung und die Abgrenzung von bereits vorhandenen Übersetzungen aufgeführt, v.a. von Khoury, der durch Fußnoten den Eindruck erwecke, biblische Verse seien "die Grundlage zur Erklärung des Qur'ns" oder die Bibel sei "die ursprüngliche Quelle des Qur'ns" (S. xiii).


Die durchweg hervorragende Übersetzung zeichnet sich für mein Empfinden durch größte Nähe zum arabischen Text aus, sowohl in der Übersetzung, die erkennbar nicht von deutscher, sondern arabischer Philologie ausgeht, als auch im Duktus. So ist es ein deutscher Text geworden, der dennoch arabisch klingt. Streckenweise erkennt man zwar den Khoury-Text wieder, auch sind manche Formulierungen erkennbar den Bedürfnissen des Dialogs angepaßt: für den Islam negative Verse erhalten durch Übersetzung eine positivere Aussage (4,34), oder es wird spätere muslimische Interpretation eingearbeitet, die die eigentliche Bedeutungsoffenheit des Korans einengt (Ibrahim wird von Gott expressis verbis aufgefordert, "Muslim" zu werden: 2,131. Bei den Jüngern Jesu findet sich dasselbe in der Fußnote; sie bezeugen in 5,111, daß sie ihm = Jesus "ergeben sind"; hier ergänzt die Fußnote: "d.h. Muslime"). Wer diese Tendenzen berücksichtigt (oder den arabischen Urtext lesen kann), für den ist diese Übersetzung unbedingt ein Gewinn.


Im ganzen gesehen ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Buch ("tonangebend" ist der arabische Text, der von rechts nach links geschrieben wird, und darum beginnt das Buch auch "hinten"), doch sowohl für Muslime als auch für Nichtmuslime nutzbar; für Muslime durch die Einteilung in Rezitationsabschnitte, für Nichtmuslime durch eine gediegene, textnahe Übersetzung, die nicht in dem Maße "geglättet" ist, daß man den arabischen Duktus nicht mehr durchhören würde. Daß bei den einzelnen Suren nicht ihre Entstehungszeit, mekkanisch oder medinensisch, angegeben ist, ist ein Manko (diese Angaben sind in einer eigenen Liste erfaßt S. 620-22), ebenso das dünne Bibeldruckpapier.

Der Begriffsindex ist gut, er gibt zu den islamischen Namen die jüdischen und christlichen – ursprünglichen – Namen an, teils auch in Griechisch.



SKD Bavaria: eine islamische Dawa-Übersetzung mit Kommentar, genehmigt von al-Azhar

Die Bedeutung des Korans. 5 Bände. München: SKD Bavaria. 1996 und 1997.


Initiiert 1973 von Fatima Grimm, damals noch im Islamischen Zentrum München (das geprägt ist von der ägyptischen Muslimbruderschaft), seit 1984 in Hamburg. Ab 1981 fortlaufender Vorabdruck in "Al-Islam", der Zeitschrift des Islam. Zentrums München, sowie in 24 Einzelheften beim SKD Verlag. Die Übersetzung wurde zur Gemeinschaftsarbeit, zusammen mit Halima Krausen, Rascha und Ali El-Mahgary, Eva und Omar El Shabassy.

Nach einer Einleitung durch Fatima Grimm eine arabischsprachige Bewertung durch Al-Azhar und eine Bescheinigung der Muslim World League, Mekka, über die Zuverlässigkeit der Übersetzung, gleichzeitig Genehmigung zur Verwendung durch Muslime (Die Bescheinigungen jeweils mit deutscher Übersetzung, ziemlich frei und auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten).


Intention: Bereits in der - stark interpretierenden - Übersetzung ist die Intention der Dawa (= Ruf zum Islam) erkennbar: Abmilderung derjenigen Termini, die nachteilig für das Image des Islam in Deutschland sein könnten. Dies tritt in dem umfangreichen Fußnotenapparat deutlich zum Vorschein: apologetisch ausgerichtet mit unverhältnismäßig vielen Spitzen gegen das Christentum; teilweise sind die der Bibel oder einzelnen christlichen Theologen zugeschriebenen Aussagen und Zitate sogar schlichtweg falsch.


Theologische Ausrichtung: In diesen Fußnoten sind Kommentare von Yusuf Ali, Sayed Qutb, Muhammad Asad, Abu l-Ala Maududi zitiert. Dies entspricht dem theologischen Hintergrund des Islamischen Zentrums München, das jedoch nicht offiziell als Herausgeber auftrittt (vielmehr hat Ahmed von Denffer 1996 eine eigene Übersetzung mit Fußnoten herausgegeben): Sayyid Qub war der führende Kopf der ägyptischen Muslimbrüder; Yusuf Ali aus Pakistan besorgte die vom Islamic Education Centre, Saudi-Arabien, initiierte englische Übersetzung; Abu l-Ala Maudd ist ebenfalls ein pakistanischer Vertreter der Islamisten; Asad (eigentlich: Leopold Weiss) ist ein konvertierter Jude aus Ungarn.


Für den, der diese Hintergründe berücksichtigt, sind die 5 Bände ein Gewinn als Zeugnis einer stark traditionalistischen islamischen Koranauslegung.



Die Ahmadiyya-Übersetzung.

Diese Übersetzung der von der islam. Weltliga als häretisch erklärten, aus Pakistan stammenden Sekte wird zu stark subventionierten Preisen angeboten. Sie ist die erste islamische Koranübersetzung ins Deutsche, zu Missionszwecken erstellt und deshalb zweisprachig (arabisch – deutsch), wodurch sie bei Leuten mit Arabischkenntnissen beliebt ist und auch deutschen Muslimen beides bietet, den Urtext und die Übersetzung; lange Zeit war man mangels bilingualer Alternative auf sie angewiesen. Die Übersetzung jedoch ist ein zweischneidiges Schwert: die Sprache ist eher üppig mit einem Hang zum Schwülstigen. An manchen Stellen trifft sie damit sowohl Sprachgefühl als auch Inhalt des Arabischen besser als viele andere Übersetzungen, an vielen anderen bringt sie damit jedoch äußerst fragwürdige Interpretationen bis hin zu den üblichen Ahmadiyya-Thesen. Zwischen den besonders glücklichen und besonders unglücklichen Passagen zu unterscheiden vermag jedoch nur, wer die arabische Spalte zu lesen versteht.


Außerdem "ziert" das Buch eine 150 Seiten (!) lange "Einführung", die in Wirklichkeit eine Darstellung der Ahmadiyya-Sonderlehre ist mit stark polemischen, gegen die Bibel gerichteten Passagen und dem missionarischen Ruf zum Islam in seiner "reinen" – sprich: Ahmadiyya – Form.



Die Ibn Rassoul Übersetzung

Rassoul, Abu-r-Ri' Muammad Ibn Amad. Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur'n al-Karm in deutscher Sprache. Hrsg. von der Muslim-Studenten-Vereinigung in Deutschland e.V. 9. Aufl. Marburg, 1997.


Neben der Ahmadiyya-Übersetzung eine der ersten islamischen Koranübersetzungen, stammt von dem überaus produktiven Leiter des Verlags Islamische Bibliothek in Köln, der bereits zahlreiche arabische Standardwerke des Islam ins Deutsche übersetzt hat, in Zusammenarbeit mit der Muslim Studenten Vereinigung in Deutschland, bereits vor 5 Jahren in 9. Auflage erschienen und neuerdings als zweisprachige ("dualisierte") arabisch-deutsche Ausgabe im interessanten Querformat. Die Sprache lehnt sich an die arabische Ausdrucksweise an, was die Übersetzung einerseits authentisch macht, für nichtmuslimische Leser jedoch ein nicht zu leistendes Maß an Vorwissen über arabische Syntax und islamische Theologie voraussetzt. Die unübersetzte Beibehaltung arabischer Termini, allerdings nicht so extensiv wie in den nachfolgend aufgeführten Übersetzungen, verstärkt dies noch (Was a und Umra sind, wissen die meisten inzwischen, bei Zabr und am dürfte es schwieriger werden. Diese Begriffe müssen erst im Anhang nachgeschlagen werden.). Eben diese Begriffserläuterungen und ein gut sortiertes Register zählen zu den Stärken.




Neue Entwicklungen in der Koranübersetzung

sind jetzt islamische Übersetzungen, die spezifisch theologische Termini auf unterschiedliche Weise angehen. Ibn Rassoul gibt, in Anlehnung an den 1990 verstorbenen Konvertiten aus dem Judentum, den Ungarn Leopold Weiss alias Muhammad Asad, dem Korantext seine zu Beginn, vor der "Institutionalisierung", vorhandene innere Weite. So wurde der Begriff "Muslim" z.B. für Abraham (2,128.135f, 3,67.95) noch nicht im Sinne einer bestimmten Religionszugehörigkeit gebraucht, sondern im philologisch neutraleren Sinn als "einer, der sich Gott hingegeben hat" (Ibn Rassoul, S. 567-569).


Der Vorsitzende des Islamischen Zentrums München, der deutsche Konvertit Ahmad von Denffer, hat diese Übersetzungsweise auf die Spitze getrieben:

Ahmad von Denffer. Der Koran. Die Heilige Schrift des Islam in deutscher Übertragung mit

Erläuterungen nach den Kommentaren von Dschalalain, Tabari und anderen hervorragen-

den klassischen Koranauslegern. 8. verbesserte Auflage. München: Islam. Zentrum, 2001.

Beim Paradebegriff Islam – Muslim versucht er den Aspekt des salm (Friede) und des islm (Ergebung, Unterwerfung unter Gott) zu vereinen, so daß ein Muslim ein "Allah friedenmachend Ergebener" wird. In Kombination mit der Imitation arabischer Syntax wird daraus "Vielmehr wer sein Antlitz Allah friedenmachend ergibt, und er ist ein Guthandelnder, so ist seine Belohnung bei seinem Herrn" (2,112). Da werden dann die Polytheisten oder Heiden zu "Mitgöttergebenden" (2,135), was zwar die Wortbedeutung genauestens trifft, aber einfach nicht mehr lesbar und ohne Arabischkenntnisse vermutlich auch nicht verständlich ist. Manchmal freilich ist es auch erheiternd: "Die Schwachköpfe unter den Menschen" (2,142).


Andere folgen dem völlig entgegengesetzten Konzept von Isml Rj al Frq ("Für ein islamisches Deutsch". Internationales Institut für Islamisches Gedankengut und Muslim Studenten Vereinigung: o.O. , 1988), der islamische arabische Termini gar nicht mehr übersetzt, um eine unstatthafte inhaltliche Gleichsetzung mit Assoziationen aus einem christlichen Kontext zu vermeiden, was den Islam "inhaltlich belaste", Verwirrung stifte und für das negative Bild des Islam im Europa verantwortlich sei. so wird z.B. der Begriff "alt" nicht mit "Gebet" übersetzt, sondern beibehalten, um diese Termini so zu einem Bestandteil des deutschen Sprachschatzes zu machen. Diese Übersetzungen nennen sich "islamologische" Übersetzungen, u.a. von Amir Zaidan, dem Vorsitzenden der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen und Lehrbeauftragter an der Universität Frankfurt. ("Wurde bisher immer wieder versucht, soviel wie möglich aus dem Quran in deutschen Worten wiederzugeben, so beläßt Zaidan umgekehrt soviel wie möglich im arabischen Original. Sein Ziel ist es, nicht übertragbare islamische Fachbegriffe als Fremdworte in den deutschen Diskurs über den Islam zu übernehmen.")

Amir M.A. Zaidan. At-Tafsir. Eine philologisch, islamologisch fundierte Erläuterung des

Quran-Textes. ADIB Verlag Offenbach 2000, 430 S., € 10.-

Diese Methode zieht Zaidan rigoros durch. Allerdings: Sie trägt an keiner einzigen Stelle zum Verständnis des Textes bei, vielmehr vernebelt sie ihn im besten Fall; etwa wenn er Sura 112,2 übersetzt "ALLAH ist As-samad", könnte er es beim arabischen Text belassen; ähnlich "sie haben Kufr ALLAHs Ayat gegenüber betrieben" (8,52), manchmal noch kombiniert mit schlechtem Deutsch, wie in dem berühmten Thronvers (2,255) "Das Kursi von Ihm umfaßt die Himmel und die Erde" ("Kursi" = Stuhl, Thron; von Zaidan in der Fußnote jedoch übersetzt als "das auf einander Gebaute, die Stütze, das Wissen"). Man kann diesen Koran aufschlagen, an welcher Stelle man will: es quillt einem ein verquaster Text entgegen, nicht deutsch, nicht arabisch, der weder als Informations- oder Missionsschrift für Deutsche taugt noch vermutlich von den meisten Muslimen verstanden wird. ("ER sagte: "Iblis! Weshalb bist du nicht unter den Sudschud-Vollziehenden?!" Er sagte: "Ich würde nie vor einem Menschen Sudschud vollziehen, den DU aus Salsal aus geformtem Hamaa erschaffen hast?" 15,32.33 – Alles klar?) Fazit: Abscheuliche Sprache, Übersetzung absolut indiskutabel!


Wie eine Anbiederung an islamischen "Stil" wirkt die Ausgabe von Wilfried Murad Hoffmann: der arabischen Lese- und Schreibrichtung folgend beginnt sein Koran "von hinten"; außerdem setzt er wie die mittelalterlichen muslimischen Korankommentatoren den arabischen Korantext in einen Kasten und läßt die deutsche Übersetzung, die übrigens nicht von ihm, sondern von Max Henning stammt, als Tafsir (Auslegung) an zwei Seiten darum herumlaufen.

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Literatur Islam / Koranübersetzungen. Stand: dd.08.yyyy